Twitter geht an die Börse

Twitter geht an die Börse

Posted on

Bald wird an der Wall Street gezwitschert – Twitter geht an die Börse
Eine Milliarde Dollar – so viel möchte der Kurznachrichtendienst Twitter durch seinen Gang an die Börse einnehmen. Das verrät zumindest das Börsenprospekt, mit dem Twitter das erste Mal Einblick in seine Geschäfte gibt. Das sogenannte S1-Formular ist eine umfangreiche Selbstdarstellung des Unternehmens. Darin aufgeführt sind Geschäftszahlen, Risiken, Aussichten und Eigentumsverhältnisse.

Der Wunsch, Gewinn zu machen durch den Gang an die Börse, kommt nicht von ungefähr: Twitter schreibt rote Zahlen. So ist dem Börsenprospekt zu entnehmen, dass im vergangenen Jahr etwa 79,4 Millionen Dollar Verlust verzeichnet wurden und im Jahr 2011 sogar 164 Millionen Dollar. Überhaupt wurde  noch nie Gewinn gemacht. Da käme eine Milliarde durch Aktienverkäufe ganz passend.
Experten sind nicht sehr überrascht über das Ergebnis und erklären, dass vielmehr ein Plus überrascht hätte, die roten Zahlen aber kein Thema seien. Warum? Weil das Unternehmen enorm expandiert. Neue Rechenzentren und Produkte sind notwendig. Und das kostet Geld. Viel Geld. Da werden vorrübergehende Verluste hingenommen.

Haupteinnahmequelle des Kurznachrichtendienstes ist die Werbung, die immer wieder in den Nachrichtenstrom eingebaut wird. Doch nicht immer wurden Anzeigen zwischen die Tweets geschaltet, denn zu Beginn verzichtete das Unternehmen bewusst auf diese Einnahmequelle, um Nutzer nicht zu verschrecken. Erst im Frühjahr 2010 – Twitter ging bereits 2006 online – wurden erste Anzeigen geschaltet. Und die zahlten sich schnell aus: Die 7 Millionen Dollar, die 2010 allein durch Werbung eingenommen wurde, stiegen. Bereits im ersten Halbjahr 2013 machte der Erlös allein aus Anzeigen bereits 221 Millionen Dollar aus. Laut Twitter schalten vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sowie internationalen Firmen Werbung im Sozialen Netzwerk.

Ein Blick auf die allgemeine Entwicklung des Unternehmens zeigt, dass die Erlöse von 2010 (28 Millionen US-Dollar) auf rund 317 Millionen Dollar im vergangenen Jahrgestiegen sind. Und damit endet das Wachstum noch nicht: Bereits im ersten Halbjahr des laufenden Jahres konnte das Unternehmen 254 Millionen Dollar Umsatz machen und bis zum Ende des Jahres peile der Kurznachrichtendienst eine erneute Verdopplung auf etwa 600 Millionen Dollar an.
Wichtig dabei ist, dass Twitter in Sachen Mobilität gut aufgestellt ist. Aber da muss sich das Unternehmen nichts nachsagen lassen: Bereits jetzt werden etwa 65 Prozent der Werbeerlöse auf iPhones und iPads von Apple sowie Android-Smartphones und –Tablets erwirtschaftet. Das ist der Unterschied zum Social-Media-Konkurrenten Facebook, der zum Zeitpunkt seines Börsengangs nur wenig in der Lage war, Einnahmen aus der zunehmend mobilen Nutzung zu erzielen. Nicht zuletzt aus diesem Grund gab es bei Facebook lange Zeit starke Kurseinbrüche. Der Aktienwert hatte sich sogar halbiert. Damit Twitter das nicht passiert, hat das Unternehmen in seinem rund 200-seitigen Börsenprospekt seine mobilen Erfolge betont.
Vor allem die große Reichweite des sozialen Nachrichtensystems soll Investoren ansprechen. Immerhin: Mehr als 215 Millionen aktive Nutzer hat Twitter pro Monat – das verrät zumindest der Börsenprospekt. Weltweit benutzen mehr als 100 Millionen Menschen das Kurznachrichtensystem sogar täglich und verschicken Tag für Tag bis zu 500 Millionen Tweets. Im Vergleich zum großen Social-Media-Konkurrenten Facebook verbringen Marktforschern zufolge Internet-Nutzer in den USA weniger Zeit bei Twitter (4,2 Stunden) als bei Facebook (sieben Stunden).

Das Börsenkürzel, mit dem Twitter auf den Markt kommen wird, lautet TWTR. Beim Schritt aufs große Parkett wird das Unternehmen übrigens von einigen großen Firmen unterstützt, unter anderem von den federführenden Wall-Street-Häusern Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley. Doch auch die Deutsche Bank leistet Starthilfe.
Die ersten Aktien können vermutlich ab November  an der Börse gehandelt werden.

Leave a Reply