Yelp

Klagewelle gegen Yelp

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Übernahme von Qype sorgt für Ärger

Erst macht das Bewertungsportal Yelp von sich reden, weil es sich mit Yahoo verbündet, und jetzt davon, dass es mit einer Klage des Hamburger Landgerichts konfrontiert wird. Aber der Reihe nach.

Im Oktober 2012 hat das amerikanische Unternehmen Yelp mit Sitz in San Francisco, die Internetseite Qype übernommen. Sowohl Yelp als auch Qype sind Bewertungsportale, auf denen Kunden das besuchte Restaurant, den Stammfriseur oder den Arzt bewerten können. Wenn dann ein anderer wissen möchte, wie gut das besagte Unternehmen ist, dann kann er sich auf dem Bewertungsportal umfangreich informieren und erfahren, was andere Kunden sagen. Im Oktober 2013 wurden beide Portale zusammengelegt. Und damit begann der Ärger.

Umzug verlief nicht reibungslos

Wer bis dahin aktiv auf Qype war, der muss seine Fotos und Beiträge von einer Seite auf die andere übertragen. Das klingt erstmal nicht schlimm. Solange er das Wichtigste, die Bewertungen, behält. Und genau da tauchten Probleme auf. Denn zahlreiche Gesamt-Bewertungen haben sich aufgrund des Algorithmus verändert. So hat sich die Anzahl der Bewertungen radikal reduziert und manchmal sind dann nur schlechte Meinungen übrig geblieben. Das bedeutet einen großen Vertrauensverlust. Außerdem rutscht ein Unternehmen, das viele Bewertungen und eine entsprechende Relevanz hatte, in die Bedeutungslosigkeit. Der Grund dafür, so argumentiert Yelp, sei die Überprüfung auf Echtheit. Eine Software kontrolliert alle neuen Beiträge und entscheidet dann, ob die Bewertung ein Fake ist oder nicht. In dem Zusammenhang lohnt sich übrigens ein Blick auf die Studie „Fake it till you make it“, die die Harvard Business School und die Boston University im September veröffentlicht haben. Darin steht, dass rund 16 Prozent aller Bewertungen gefälscht seien und rund 20 Prozent aller Bewertungen gefiltert werden. Bei Beiträgen neuer Bewerter werden mehr als 70 Prozent gefiltert.

Vernetzen gegen Yelp

In Sachen Qype-Übernahme haben sich mittlerweile einige Geschädigte organisiert und erwägen gegen das in Irland sitzende Unternehmen zu klagen. Zwei deutsche Firmen haben den Schritt bereits gemacht und sind vor das Hamburger Landgericht gezogen: Wie netzoekonom.de  berichtet, wurde der Anwalt Christian Solmecke aus Köln von einem Schönheitssalon und einem Musikinstrumentenbauer mit der Klage beauftragt. Der Inhalt der Klage: Durch das Nichtberücksichtigen von positiven Empfehlungen von Internetnutzern, habe Yelp das Unternehmerpersönlichkeitsrecht verletzt. Gegenüber dem Magazin Focus erklärt Christian Solmecke, dass Yelp die unwahre Tatsachenbehauptung aufstelle, seine Mandanten seien von den Nutzern schlecht bewertet worden. Das führe zu einem Anspruch auf Richtigstellung. Mit seiner Klage beruft sich der Kölner Anwalt auf die Autocomplete-Entscheidung, die der Bundesgerichtshof im Fall Bettina Wulff gegen Google aussprach. „Damals hat der BGH sinngemäß geurteilt, auch Maschinen können Persönlichkeitsrechte verletzen“, so Christian Solmecke.

Ob eine Klage, die übrigens für den 7. März angesetzt ist, Erfolg hat, hängt davon ab, ob dem Internetportal Yelp ein willkürliches Löschen nachgewiesen werden kann und den betroffenen Unternehmen ein Schaden entsteht.

Yelp ist entspannt

Yelp sieht die Sache aber locker. Zwar ist die Publicity derzeit nicht positiv aber von der Übernahme profitiert das Unternehmen auf ganzer Linie. Denn: Yelp, das auch mit Apple kooperiert, liefert als einziges Portal Bewertungen und Inhalte für die Programme Siri und der Maps-App. Yelp-Chef Jeremy Stoppelman erklärt gegenüber Focus: „Yelp hat ein anderes System als Qype. Unser Algorithmus funktioniert für Verbraucher, nicht für Ladenbesitzer.“ Bewertungen, die auf Initiative eines Geschäftsinhabers entstehen, würden von Yelp aussortiert werden. Und weiter: „Dieser Algorithmus ist extrem wichtig für unsere Glaubwürdigkeit. Ohne ihn würden wir mit Manipulationen oder Spam überschüttet. Nach und nach verstehen die Ladenbesitzer das auch, weil alle die gleichen Bedingungen haben.“

 

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