Google kauft Nest

Google kauft Nest

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Google auf Kuschelkurs mit Nutzern

Google weiß fast alles über uns. Google weiß, ob wir ein Mann oder eine Frau sind, was wir gerne essen, welche Musik wir hören und welche Krankheiten wir haben. Manchmal weiß Google auch, wie unsere Freunde heißen, wo wir Urlaub machen und welchen Weg wir zur Arbeit einschlagen. Doch dem Internetriesen reicht das noch nicht: Er möchte seinen Nutzern noch näher sein und ein Teil des Zuhauses werden. Deswegen hat Google jetzt die Firma Nest Labs gekauft.

Wer denkt, Nest Labs sei eine für Google lukrative Internetplattform, der irrt gewaltig. Das amerikanische Unternehmen mit Sitz in Kalifornien hat mit dem Internet nämlich eigentlich nicht viel am Hut. Abgesehen von Gründer Tony Fadell, der als Erfinder von iPod und iTunes gilt, und einem ganzen ehemaligen Designteam von Apple. Doch statt um Musikplattformen geht es bei Nest Labs um Thermostate und Rauchmelder – denn diese Produkte werden von dem amerikanischen Unternehmen hergestellt. Und trotzdem hat sich Google den Deal 3,2 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 2,34 Milliarden Euro, kosten lassen.

Haushaltsgeräte verraten, wann wir zu Hause sind

Was soll das? Die Frage ist berechtigt. Antworten darauf gibt‘s viele. Google möchte das Leben der Menschen bestimmen und ein unentbehrlicher Teil davon werden. Google möchte alles wissen. Nicht nur, welche Musik wir hören und wohin wir in den Urlaub fahren wollen. Sondern auch, wie unser Tagesablauf aussieht. Kuschelkurs also.
Mit Nest Labs macht der Internetriese einen Schritt in die Richtung, denn: Nest Labs hat ein intelligentes Thermostat und einen intelligenten Rauchmelder entwickelt. Das Thermostat erstellt ein Nutzerprofil und kann dementsprechend die Temperatur vollautomatisch nach den Vorlieben der Bewohner steuern. Es weiß, wann der Bewohner zu Hause ist und wann er das traute Heim verlässt. Und von unterwegs kann das Thermostat mit einem iOS-Gerät ferngesteuert werden.

Wenn der Rauchmelder Alarm schlägt, dann ertönt kein schriller Ton, sondern eine Stimme, die verrät, in welchem Raum der Alarm ausgelöst wurde. Beim Fehlalarm lässt sich das Gerät mit einem Händewisch abstellen. Google hat jetzt also den Zukunftsmarkt der automatisierten Haushalte betreten, die online überwacht und gesteuert werden können, und damit auch das letzte Stück Privatsphäre erobert, das den Nutzern bislang geblieben ist.
Datenschutz wird ernstgenommen

Datenschützer kritisieren zurecht, dass Google durch den Kauf noch mehr Daten und Informationen über seine Nutzer sammeln kann. Und das nicht nur in der Zukunft: Nest Labs besitzt bereits jetzt zahlreiche Informationen seiner Kunden. Die Frage, ob diese jetzt an den Internetriesen weitergereicht werden, wurde von Tony Fadell bisher nicht verneint. „Unsere Datenschutzerklärung beschränkt die Nutzung von Kundendaten auf die Verbesserung unserer Produkte und Dienste. Wir nehmen Datenschutz ernst, und das wird sich nicht ändern“, heißt es auf der Homepage von Nest Labs.

Zweitteuerste Übernahme

Doch das allein kann den hohen Preis, den Google bezahlt hat, nicht rechtfertigen – immerhin ist die Übernahme von Nest Labs die zweitteuerste in Googles Geschichte. Lediglich für Motorala hat das amerikanische Unternehmen mehr Geld auf den Tisch gelegt, nämlich 12,5 Milliarden US-Dollar. Durch den Kauf übernimmt Google auch einige ehemaligen Apple-Mitarbeiter, die einst an Produkten wie iPad, iPhone und iPod beteiligt waren und anschließend ihr Wissen und Können in Nest Labs steckten. Das zeigt sich zum Beispiel beim Design, das sehr an die Produkte aus dem Hause Apple erinnert: Die Geräte kommen absolut modern und mit schickem Aussehen daher. Und obwohl Nest Labs als eigenständige Marke weiterbestehen soll, ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, dass sich Google das Wissen um Technik und Design zunutze macht. Bisher hinken die Produkte des Internetriesen in Sachen Beliebtheit nämlich denen von Apple hinterher. Das könnte sich in Zukunft ändern…

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