Facebook will Drohnen

Facebook für alle?

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Internetkonzern hat Interesse an Titan Aerospace

Offenbar sitzt bei Mark Zuckerberg und seinen Facebook-Kollegen das Geld locker, denn der Shoppingtrip, bei dem unter anderem der Kurznachrichtendienst WhatsApp für 19 Milliarden Euro erworben wurde, geht weiter: Facebook hat Interesse am Drohnenhersteller Titan Aerospace bekundet.

Internetversorgung verbessern

Das Onlinemagazin Techcrunch berichtet von einem Gespräch der beiden Konzerne und beruft sich dabei auf einen Hinweis aus informierten Kreisen. Der Preis für das Unternehmen, das Drohnen produziert die mit Sonnenenergie betrieben werden, soll rund 60 Millionen US-Dollar (44 Millionen Euro) betragen. Nach Informationen von Techcrunch möchte Facebook mit den Drohnen die Internetversorgung ausbauen, indem die Flugobjekte als drahtlose Hotspots genutzt werden. So könnten auch entlegene Regionen der Welt mit Internet ausgestattet werden. Allein für den Kontinent Afrika sollen angeblich im Rahmen des Projekts internet.org 11.000 Flugobjekte der Reihe Solara 60 gebaut werden.

Ist Facebook im Shoppingrausch und nimmt, was es kriegen kann? Was auf den ersten Blick so scheint, macht beim näheren Betrachten Sinn, denn: Das Unternehmen hofft darauf, dass viele den neu gewonnenen Zugang zum Internet mit Facebook verbinden und dem Netzwerk nicht nur beitreten, sondern aus Dank auch treu bleiben. Außerdem muss Facebook mit seinem Konkurrenten Google mithalten: Google hat im Sommer 2013 das Projekt Loon gestartet und rund 15 Meter hohe, mit mobilen Satelliten ausgestattete Ballons, testweise in die Stratosphäre steigen lassen. So möchte der Internetriese auch die Zweidrittel der Menschen erreichen, die zurzeit keinen Zugang zum Internet haben, weil Gebirge, Dschungel oder Inselgruppen die Internetversorgung erschweren und teuer machen. Denn während sich in den Industrienationen das Leben nach und nach online abspielt, kostet der Zugang zum Word Wide Web – wenn es ihn denn überhaupt gibt – für viele Menschen der Südhalbkugel mehr als ein Monatsgehalt. Und genau diese Menschen sollen durch Projekte wie Loon und internet.org, das übrigens auch von Samsung, Ericsson, Mediatek, Nokia, Opera und Qualcomm unterstützt wird, günstigen und schnellen Internetzugang erhalten. Endlich, wird so mancher sagen, wurde doch ein Internetzugang von den Vereinten Nationen zum Menschenrecht erklärt.

Gewinn sichern

Doch Recht zu schaffen haben die Internetriesen sicherlich nicht vor Augen, obwohl sich Mark Zuckerberg beim Mobile World Congress in Barcelona als Entwicklungshelfer zeigte: Er wolle in der Dritten Welt kostenlose Internetanschlüsse bereitstellen und sei noch auf der Suche nach Partnern in der Mobilfunk-Branche, die sein Projekt Internet.org unterstützen. Doch so sozial und human das klingt, für die zählt erstmal der mögliche Gewinn. Und genau den wittern sie in den bisher internetkarg en Regionen: Die rund fünf Milliarden Menschen, die zurzeit noch keinen Zugang zum Internet haben, sind schließlich zahlreiche weitere persönliche Daten sowie fünf Milliarden potentielle Kunden – und die gilt es sich zu sichern.

Kritische Stimmen

Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es viele kritische Meinungen. So merkte zum Beispiel der Direktor für Internationale Meinungsfreiheit, Jillian York, an: „Wie lange wird es wohl dauern, bis einige instabile Regierungen versuchen, Chaos in weltweiten Kommunikationsinfrastruktur anzurichten, indem sie die Google-Ballons abschießen?“ Er könne sich nur schwer vorstellen, dass Regierungen, die das Internet auf dem Boden zensieren, ein offenes Netz, wie von Google und Facebook angestrebt, akzeptieren würden. Und Phares Kariuki, Ex-Weltbanker, befürchtet, dass Google Loon den afrikanischen Telekommunikationsunternehmen Konkurrenz mache. „In Kenya zum Beispiel haben wir eigentlich schon im ganzen Land 3G-Verbindungen.“  So sei nicht die fehlende Verbindung das Problem, sondern eher die fehlende Hardware. Ein großer Gegner des Loon-Projects ist auch Bill Gates, der selbst jährlich Milliarden für den Kampf gegen Krankheit und Armut stiftet. Er erklärt, dass jemand, der an Malaria stirbt, keine Hilfe von einem Internetballon erhalten wird.

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