Bundestagswahl im Internet

Bundestagswahl im Internet

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Bundestagswahl im Internet – der Ort, an dem alle Bürger eine Stimme haben

Die Wahl ist vorbei, die Stimmen sind ausgezählt und das Ergebnis steht fest: Die CDU gehört zu den klaren Gewinnern, die FDP zu den Verlieren. Jetzt stellt sich die Frage: Wer wird regieren? Und die stellt sich sowohl für die Parteien, als auch für die Wähler. Vor allem im Internet, auf Facebook und Co, wird diese Frage rauf- und runtergebetet. Denn nirgendwo sonst, können so viele Menschen auf einmal zu Wort kommen und sagen, was sie denken, wie dort.

Wer glaubt, dass soziale Netzwerke in erster Linie von Jugendlichen genutzt wird, die in ihrer Freizeit sonst Langeweile haben, der irrt. Beispiel Facebook. Eins der größten und bekanntesten Social Networks. Dort sind sogar Spitzenpolitiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, Guido Westerwelle und Jürgen Trittin vertreten. Warum? Weil sie dort einfach und ohne großen Hürden mit ihren Fans beziehungsweise ihren Wählern kommunizieren können. Vor allem jetzt, rund um die Bundestagswahl, wurde und wird davon Gebrauch gemacht.

„Liebe Parteifreundinnen, liebe Parteifreunde, der gestrige Abend war der bitterste, den unsere FDP je erlebt und durchlitten hat“, schrieben die Liberalen einen Tag nach dem Wahldebakel auf ihrer Facebook-Seite. Die Antwort eines Users: „Aufstehen, weitermachen, besser machen!“ Und bei Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD, der noch vor der Stimmauszählung optimistisch Bilder von sich bei der Stimmabgabe gezeigt hat, konnte man am Wahlabend lesen: „Zum Klartext gehört es Frau Merkel zu gratulieren. Aber wir haben gemeinsam einen großartigen Wahlkampf geführt. Dafür danke ich.“

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig das Internet, wie wichtig die sozialen Medien für Parteien sind. Ein kurzer Test, ein Klick und schon weiß die Welt, was ich zu sagen habe. Und das Ganz funktioniert sogar als Dialog, denn nicht nur die Parteien können sich äußern, sondern auch die Wähler. Ein gutes Beispiel ist die viel diskutierte Koalitionsgründung: Mit wem möchte die CDU in Zukunft regieren? Wird es eine große Koalition mit den Sozialdemokraten geben, finden Grüne und Christdemokraten einen gemeinsamen Nenner oder verbünden sich am Ende Rot-Rot-Grün? „Kanzlerin Angela Merkel hat bereits bei SPD-Parteichef Sigmar Gabriel angefragt – muss sich aber gedulden. Denn am Freitag wird zunächst der SPD-Parteikonvent die Lage beraten“, posten die Sozialdemokraten. Die Antworten ihrer Anhänger zeigen: Sie wollen keine große Koalition. „Keine Koalition mit der CDU. Einmal hat gereicht“, schreibt ein SPD-Anhänger und ein anderer appelliert: „Keine große Koalition!!! Schickt Merkel in die Wüste.“ Interessant gestaltet es sich bei den Grünen. Denn anders als man es vielleicht erwarten würde – und anders, als es in der Presse kommuniziert wird – lassen sich dort, zumindest unter den Anhängern, Befürworter einer Schwarz-Grünen Koalition ausmachen. So schreibt jemand: „Ein wenig Grün in der Regierung würde ich gut finden. Egal, ob mit Schwarz oder Rot/Rot.“

Wer in Sachen Politik etwas erreichen will, muss online sein. Dort treffen sich die Leute, dort wird geredet und kritisiert. Dort findet die Kommunikation statt. Wie lange dauert es, bis man die Möglichkeit bekommt, dem Kandidaten, dem man seine Erststimme geschenkt hat, zu gratulieren? Oder der Partei, für die man seine Zeitstimme hergegeben hat zu sagen, was sie anders machen soll? Bei Facebook, Twitter und Co sind das Sachen von Minuten, wenn nicht sogar von Sekunden. Ein paar Wörter, ein Klick auf den Absende-Button und schon können Angela Merkel und die rund 384.000 Fans, die ihr auf Facebook folgen, lesen „Alles Gute und weiterhin viel Glück“.

Doch das Internet hat noch einen weiteren Vorteil: Es ist schnell. Und zwar sehr viel schneller, als es eine Zeitung sein kann. Im Minutentakt konnten interessierte Bürger dort die Wahlauszählung verfolgen und auch jetzt, wenige Tage nach dem großen Ereignis, überschlagen sich die Nachrichten. Kaum gibt Philipp Rösler bekannt, dass er bereit ist, sein Amt niederzulegen, ist es auch schon auf diversen Nachrichtenseiten zu lesen. Und Jürgen Trittin twitterte, dass er für die Fraktionsspitze nicht wieder antreten werde.

Das Internet hat die Welt verändert. Und ein Stück weit die Demokratie. Nie war es einfacher als heute in den direkten Kontakt zu treten. Den Machern in Berlin zu sagen, was man denkt. Und nie war es für Politiker einfacher zu verstehen, was die Menschen denken und was sie vor allem wollen. Es bleibt jetzt nur abzuwarten, was draus wird.

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